Der Passphrase-Generator baut aus mehreren zufälligen deutschen Wörtern ein Passwort, das man sich merken kann – vollständig im Browser, ohne Anmeldung. Du legst fest, aus wie vielen Wörtern es besteht, welches Trennzeichen dazwischensteht und ob eine zufällige Zahl angehängt wird. Statt „T7#kL9mQ“ merkst du dir „Kiesel-Ahorn-Trompete-Fjord-Wecker“. Die Wortliste hat genau 1024 Einträge, deshalb steuert jedes Wort exakt 10 Bit bei: fünf Wörter sind 50 Bit, sieben sind 70.
So funktioniert der Passphrase-Generator
Mit dem Regler „Anzahl Wörter“ stellst du ein, wie lang die Passphrase wird – 3 bis 10 Wörter, voreingestellt sind 5. Beim „Trennzeichen“ wählst du zwischen Bindestrich, Punkt, Unterstrich oder gar keinem Zeichen. Ist „Zahl anhängen“ aktiviert, kommt eine zufällige zweistellige Zahl zwischen 10 und 99 ans Ende – manche Formulare verlangen eine Ziffer.
Unter dem Ergebnis stehen zwei Zeilen: die Stärke in Bit und die Rechnung dahinter. Über „Neu generieren“ bekommst du mit denselben Einstellungen einen neuen Vorschlag.
Jedes Wort wird einzeln über die Web-Crypto-API deines Browsers gezogen, nicht über Math.random. Die Ziehungen sind unabhängig voneinander, ein Wort kann also zweimal vorkommen – das ist kein Fehler, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Bit-Angabe stimmt.
Warum die Liste genau 1024 Wörter hat
1024 ist 210. Ein Wort aus 1024 gleich wahrscheinlichen Möglichkeiten trägt deshalb genau 10 Bit bei – keine krumme Zahl, kein „rund“, kein „etwa“. Fünf Wörter sind 50 Bit, sieben sind 70, zehn sind 100. Diese Rechnung kann man im Kopf machen und nachprüfen.
Vorher standen hier 50 Wörter. Das sind log2(50) ≈ 5,64 Bit je Wort, vier Wörter ergaben also 23 Bit – und daneben stand „merkbares Passwort“. 23 Bit sind rund acht Millionen Möglichkeiten; das probiert ein handelsüblicher Rechner in Sekunden durch. Die Liste war das Problem, nicht die Idee.
Die Zweierpotenz hat einen zweiten, unauffälligeren Nutzen. Zufallszahlen kommen als 32 Bit aus der Crypto-API; um daraus einen Listenindex zu machen, nimmt man den Rest der Division. Der ist nur dann gleichverteilt, wenn die Listenlänge 232 glatt teilt. Bei 1024 tut sie das, bei 50 nicht – dort kamen die ersten 46 Wörter minimal häufiger vor als die übrigen. Der Unterschied war winzig, aber er stand der Behauptung „5,64 Bit“ im Weg. Jetzt steht der Behauptung nichts mehr im Weg.
Was in der Liste steht – und was nicht
Jedes der 1024 Wörter erfüllt vier Bedingungen, die beim Bauen der Seite nachgeprüft werden:
- Nur ASCII-Buchstaben. Keine Umlaute, kein ß. Eine Passphrase wird auch mal auf einer fremden Tastatur eingetippt, an einem Terminal oder in einem Feld, das nur Latin-1 durchlässt – ein „ü“ macht sie dort unbrauchbar. Umschreibungen wie „Molekuel“ wären der bequeme Ausweg, sind aber keiner: Wer „Molekuel“ liest, tippt „Molekül“. In der Liste stehen deshalb nur Wörter, deren richtige deutsche Schreibung ohne Umlaut auskommt.
- 4 bis 9 Zeichen. Kürzeres verwechselt man beim Abtippen, längeres macht die Phrase unhandlich.
- An den ersten vier Zeichen eindeutig. Es gibt kein zweites Wort, das mit denselben vier Buchstaben beginnt. Wer die Phrase notiert hat, kommt beim Abtippen mit vier Zeichen je Wort aus. Daraus folgt nebenbei, dass kein Wort der Anfang eines anderen ist.
- Substantiv im Singular, konkret und harmlos. Keine Verben, keine Adjektive, keine Mehrzahl – und nichts, was in einem Passwort unangenehm auffällt, wenn jemand über die Schulter schaut.
Draußen geblieben ist alles, bei dem man beim Tippen zögert: seltene Wörter, Wörter mit zwei gebräuchlichen Schreibweisen, Wörter, die auch ein Verb sein können. „Laden“, „Winde“ und „Weiche“ stehen deshalb nicht drin, „Anker“, „Zwiebel“ und „Gletscher“ schon.
Beispiel und Rechnung
Mit den Voreinstellungen – 5 Wörter, Trennzeichen „-“, Zahl angehängt – kommt zum Beispiel Kiesel-Ahorn-Trompete-Fjord-Wecker-47 heraus. Die Rechnung: 5 × 10 Bit = 50 Bit für die Wörter, dazu log2(90) ≈ 6,49 Bit für die zweistellige Zahl, macht 56,5 Bit. Genau dieser Wert steht als Stärke darunter.
Die 50 Bit der fünf Wörter bedeuten gut 1,1 Billiarden mögliche Wortfolgen (10245). Bei sieben Wörtern sind es 70 Bit und damit rund 1,2 Trilliarden Folgen (10247).
Ohne angehängte Zahl geht die Rechnung glatt auf: 3 Wörter sind 30 Bit, 5 Wörter 50 Bit, 10 Wörter 100 Bit. Die Zahl ist der einzige Posten mit Nachkommastelle – 90 Möglichkeiten sind eben keine Zweierpotenz.
Wie viele Wörter sind genug?
Ein zufälliges Passwort aus Groß- und Kleinbuchstaben und Ziffern bringt rund 5,95 Bit je Zeichen. Damit lässt sich die Passphrase direkt vergleichen:
- 5 Wörter = 50 Bit – etwas mehr als ein zufälliges 8-Zeichen-Passwort (47,6 Bit). Für Alltagskonten ausreichend.
- 7 Wörter = 70 Bit – knapp unter einem zufälligen 12-Zeichen-Passwort (71,5 Bit). Das ist die Größenordnung, ab der Durchprobieren auch mit viel Rechenleistung aussichtslos wird.
- 10 Wörter = 100 Bit – deutlich mehr, als für irgendetwas nötig ist, das man sich merken will.
Für das Master-Passwort eines Passwort-Managers, das alles andere schützt, sind 7 bis 8 Wörter die richtige Wahl. Für ein WLAN-Passwort, das Gäste abtippen sollen, reichen 5.
Zum Vergleich: Das bekannte Diceware-Verfahren nutzt 7776 Wörter, also 12,92 Bit je Wort. Die Liste hier ist kleiner und braucht für dieselbe Stärke rund 30 Prozent mehr Wörter – dafür ist sie deutsch, ohne Umlaute und an vier Zeichen eindeutig.
Wofür brauche ich das?
- Master-Passwort: Für einen Passwort-Manager musst du dir genau ein Passwort dauerhaft merken. Eine Wortfolge behält man besser als eine Zeichenkette. Hier 7 bis 8 Wörter wählen.
- WLAN- oder Geräte-Passwort: Wird oft über eine Fernbedienung oder einen Smart-TV eingetippt, wo Wörter erheblich schneller gehen als Sonderzeichen. Die ASCII-Regel zahlt sich hier direkt aus.
- Festplatten- oder Backup-Verschlüsselung: Ein Passwort, das nirgends gespeichert sein darf und trotzdem nach Monaten noch abrufbar sein muss.
- Neue Zugänge, die du dir merken willst, statt sie nur im Manager zu haben.